Mindfuck

Meine devot-masochistische Veranlagung lebe ich mit John sehr intensiv aus. Er ist einer der wenigen echten dominanten Männer, die ich bisher in meinem Leben kennen gelernt habe, denn viele, die behaupten, dominant zu sein, beschränken das auf äußere Zeichen wie das Schwingen einer Peitsche oder absurd maskulines Gehabe. Für mich macht einen wirklich dominanten Mann aus, dass er nicht hart, sondern genau im Gegenteil sehr sensibel ist und versteht, was sein devoter Counterpart empfindet und durchmacht, bevor der es artikulieren muss. Ein wirklich dominanter Mann bricht sich keinen Zacken aus der Krone, wenn er seinen Spielgefährten behutsam auffangen und ihm manchmal auch die Tränen trocknen muss. Sadomasochismus ist eine Grenzwanderung und braucht Vertrauen ineinander und eine reibungslose Kommunikation miteinander, sonst kann er übel ins Auge gehen. Am Anfang habe ich mich darüber lustig gemacht, dass John mich oft fragte, ob ich ihm vertraue, aber er tut das, um sich immer wieder rückzuversichern, dass alles was er tut, mit meinem Einverständnis passiert.

Viele devote Masochisten sind manipulativ, um zu bekommen, was sie brauchen und wollen. Sie suggerieren dem dominanten Partner, was er tun soll, was dazu führt, dass der dominante Partner nicht mehr tatsächlich dominant ist, sondern nur noch Spielball für den Devoten. Das ist nicht die Art von Sadomasochismus, die wir leben. Ich habe mich damit einverstanden erklärt, dass sozusagen mein Wohl und Weh in Johns Händen liegt, aber wir haben Grenzen definiert, die nicht überschritten werden. Würde John sie überschreiten, dann wäre augenblicklich Schluss mit uns. Ich habe zum Glück Menschen, die ein Auge auf mich haben, und ich glaube, dass ich heute schon gut selbst in der Lage bin, zwischen guter und schlechter Dominanz zu unterscheiden.

Eine Spielart des Sadomasochismus ist der Mindfuck. Idealerweise weiß der devot-masochistische Partner nicht, wann gerade ein Mindfuck abgeht und wann nicht, weil das seine Wirkung mindern würde. Beim Mindfuck wird dem Sub suggeriert, dass gleich XY passieren wird oder dass es bereits passiert, obwohl es in Wahrheit ganz anders ist. Zum Beispiel raucht der Dom eine Zigarette und kündigt dem Sub (dessen Augen verbunden sind oder der die entsprechende Körperregion nicht sehen kann) an, dass er ihn gleich verbrennen wird. Diese Phase der Ankündigung kann sehr lange hinausgezögert werden, um die seelisch-psychischen Qualen zu erhöhen. Dann berührt der Dom die Haut seines Partners an der angekündigten Stelle mit einem Eiswürfel. Die Spannung löst sich, aber dem Sub wird klar vor Augen geführt, dass er unterlegen ist und sich nur dem Willen seines Doms beugen kann.

Das Beispiel war jetzt recht schlicht. Ausgeklügelte Mindfucks ziehen sich über einen längeren Zeitraum hin und der Dom kann dabei sehr kreativ werden. Mein intensivstes Erlebnis hatte ich damit im letzten Herbst. John hatte mir Wochen vorher angekündigt, dass er mich an einem Ort im Wald fixieren würde und dass andere Männer dort auftauchen würden, um mit mir Sex zu haben. Es ist Teil unserer Beziehung, dass er mich anderen dafür überlassen kann, wenn er das möchte. Er verband mir die Augen und ging weg. Ich hatte meines Empfindens mit unterschiedlichen Fremden Sex, bis John mich wieder abholte. In der folgenden Zeit bezog er sich immer wieder auf diesen Tag und ließ mich dadurch immer wieder nacherleben, was passiert war. Erst 10 Tage später erfuhr ich, dass es keine anderen Männer gegeben hatte, sondern dass John selbst es gewesen war, ausschließlich. Er hatte dafür bestimmte Requisiten mitgebracht und mir vorgespielt, er sei immer jemand anders gewesen, durch andere Atemgeräusche, andere Kleidung und eine Zigarette (John raucht nicht, aber einer der “Fremden” roch eindeutig nach Nikotin).

Der Mindfuck macht mit Sub deutlich, dass er seinem Dom ausgeliefert ist. Für mich ist es die Erfüllung, nach Schmerz oder Mindfuck zu hören, dass John stolz auf mich ist und mich liebt. Ich glaube, nur dann kann ich glücklich sein.

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