Unterwerfung im Alltag

Heute habe ich viel Zeit zum Bloggen🙂 Ich würde gern darüber schreiben, wie die Vorstellungen, die sich die Gesellschaft von einer devot-dominanten Partnerschaft macht, von ihrer Realität abweichen. Dem Klischee nach ist eine SM-Beziehung auf das devot-dominante Gefälle begrenzt. Entweder denken die Leute, es gehe nur um Sex, oder sie denken, der devote Partner ordne sich und sein komplettes Leben den Wünschen des Tops unter. Natürlich gibt es solche Beziehungen, aber nicht nur. Wahrscheinlich ist nur ein Bruchteil der Partnerschaften so, wie die Leute denken.

Genau wie bei Vanillamenschen geht es bei SMlern um die Spannung, die aufgebaut, gehalten und wieder abgebaut wird. Ich habe das schon über Tage hinweg erlebt, aber irgendwann (meist nach einem oder mehreren Höhepunkten) verebben die Lust und der Kick und man ist wieder der Mann, der man eben im Alltag ist. Ich zumindest renne nicht die ganze Zeit mit einer Latte herum und ich denke auch nicht ständig an Sex. Ich habe einen Job, Freunde, eine Familie, Hobbies, und das alles will ich ausleben. Trotzdem bin ich 24/7 ein devot-masochistischer Mann in einer Beziehung zu einem dominant-sadistischen Partner. Das heißt aber nicht, dass wir rund um die Uhr Sessions haben. Unsere Neigungen können wir auch im Alltag leben und ich möchte dafür ein paar Beispiele nennen.

Die einfachste Art, das Machtgefälle zu leben, sind kleine Gesten. John und ich leben getrennt, aber wir übernachten oft beieinander. Wenn er zu Besuch kommt, helfe ich ihm aus dem Mantel, stelle seine Hausschuhe hin und bringe ihm etwas zu trinken. Ich glaube, es kommt dabei auf die Haltung an. Je nachdem kann das alles sehr submissiv sein (oder eben gar nicht). Ich suche oft den Blickkontakt zu ihm und versuche, ihm zu dienen, bevor er mich dazu auffordern muss. Es hilft, wenn man sich gut kennt.

Dienen kann eigentlich alles bedeuten. Im Alltag hat John festgelegt, welche Dinge er niemals tun wird  und für die ich zuständig bin. Das sind zum Beispiel: Toilette putzen, abspülen, Bett machen, putzen und bügeln. Das Dienen ist Teil unseres Alltags geworden, aber es kann natürlich für eine Session beliebig ausgebaut werden. John hat dafür Aufgaben, die ich nicht übernehme, zum Beispiel arbeitet er Vollzeit, kümmert sich um organisatorische Sachen und anderes. Ich glaube, man kann sagen, dass ich die Aufgaben übernehme, die eine Hausfrau hat, und er die, die ein Mann hat (ich weiß, das ist auch ein Klischee und ein sexistisches noch dazu). Ich diene John gern. Ich liebe es, aufmerksam zu sein und ihn zu verwöhnen. Er liebt es, mir durch sein dominantes Verhalten zu geben, was ich brauche. Er achtet auf mich, zum Beispiel ob ich genug gegessen, getrunken und geschlafen habe. Ich weiß nicht, ob das jetzt so rüberkommt, wie ich es meine, aber das Gefälle zwischen uns ist aufgewogen. Wir gehen verantwortungsvoll miteinander um.

Das Machtgefälle kann man auch mit der Anrede des Partners deutlich machen. Ich nenne John gern “Sir”. Für mich ist das ein Kosewort und es war sofort in meinem Kopf, als wir zum ersten Mal miteinander sprachen. Mit einem “Sir” verbinde ich einen Gentleman, keinen rumschreienden und in sich unsicheren Dom. John braucht nicht schreien, weil ich vorauseilend gehorsam bin. Viele Subs lassen sich beschimpfen, aber das gefällt mir nicht. Ich möchte respektvoll behandelt werden, auch wenn ich devot bin. Es kommt für mich nicht in Frage, mich als “Sau” oder “Köter” bezeichnen zu lassen.

Ich habe John die Macht über meine Lust gegeben. Er bestimmt, wann ich einen Höhepunkt haben darf. Am Anfang haben wir es ohne Hilfsmittel gemacht, aber seit anderthalb Jahren benutzen wir dafür einen Birdlock. Wir haben erst mit anderen Peniskäfigen experimentiert, aber keiner war so bequem und leicht sauber zu halten wie der Birdlock. John trägt einen Schlüssel an einer Kette um den Hals. Außerdem hat er einen Schlüssel bei sich daheim in Verwahrung und der dritte Schlüssel wird von einer meiner WG-Mitbewohnerinnen aufbewahrt. Sie weiß nicht, wofür der Schlüssel genau ist, aber sie kennt meine Neigung. Im Notfall komme ich also immer aus dem Birdlock heraus. Sicherheit ist wichtig! Der Keuschheitsverschluss ändert natürlich nichts an meinem Lustempfinden. Wenn ich geil bin, sage und zeige ich das John. Viele Subs manipulieren ihren Dom mit ihrer Lust, aber es gehört zu meiner Neigung dazu, dass ich das nicht tue. Es ist wirklich John, der entscheidet, wann und wie oft ich kommen darf, und nicht indirekt ich selber. Die Befriedigung der Lust verweigert zu bekommen, erzeugt Frustration. Es kommt vor, dass ich Gefühle von Ärger, Verzweiflung oder Angst empfinde, wenn mir ein Orgasmus versagt wird. Das steigert sich, je länger die Keuschheit erzwungen wird. Es ist schon an sich geil, durch den Käfig zu wissen, dass man nicht an sich herumspielen und einen Höhepunkt haben kann, aber etwas so Instinktives wie die eigene Lust an den Dom abzugeben, ist für mich nicht nur eine sexuelle Erfüllung, es ist auch ein großer Liebesbeweis. Manchmal ist es sehr hart, die Keuschheit auszuhalten. Es gibt Tage, an denen ich wie ein kleines Kind flenne und John anflehe, mich aufzuschließen, aber am Ende bin ich stolz darauf, es geschafft zu haben. Der Birdlock verschließt nur den Penis. Verkehr ist trotzdem noch möglich und es steigert die Lustqualen sehr. Ich trage den Birdlock nicht ständig. Es gibt Phasen, wo ich ihn gar nicht trage, wo ich ihn nur für eine Session trage oder wo ich ihn über einen längeren Zeitraum trage. John entscheidet darüber. Ich habe oft das Gefühl, dass Keuschheit doch wieder nur dazu führt, dass es um die Lust des Subs geht. Das will ich nicht. Ich will, dass es um Johns Lust geht und es ist schön für mich, mich seinem Willen zu unterwerfen.

Außer dem Birdlock trage ich einen Ring, den John mir geschenkt hat. Ich nehme ihn nie ab, das ist mir verboten. Er sieht wie ein normaler Freundschaftsring aus. Auf der Innenseite ist eine Gravur: “Du bist mein”. Der Ring bedeutet mir sehr viel. Er ist für mich das Symbol unserer Liebe.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s