Herbstregen und Keuschheit

An Regentagen neige ich zur Melancholie. Ich mag den Regen und das ruhige Prasseln, aber ich kann es nicht ausstehen, wenn es den ganzen Tag über grau ist und es keinen echten Unterschied zwischen Tag und Dämmerung gibt.

Heute Morgen war ich arbeiten, habe danach meinen Haushaltsteil gemacht und gekocht. Abends haben John und ich uns gesehen. Wir haben Schach gespielt, über die Bundestagswahl diskutiert und gekuschelt. Ich liebe es, mein Ohr an seinen Hals zu legen und seinen Herzschlag zu hören, ihn zu riechen, zu streicheln. Ich fühle mich geborgen bei ihm und beschützt. Morgen früh fliegt er für zwei Tage geschäftlich ins Ausland, wir sehen uns erst Samstag nach der Arbeit wieder. Er hat gesagt, wir werden wandern gehen, wenn es nicht gerade in Strömen regnet, und ich soll mich auf etwas gefasst machen. Ja, mein Liebster, ich bin auf alles gefasst…

Ich habe mich an einen Tag letztes Jahr im Herbst erinnert. Wir waren ein verlängertes Wochenende unterwegs. Am ersten Tag war es sonnig und heiß. John ließ mich verschnürt im Kofferraum liegen, ohne Verschluss, aber mit einem zart vibrierendem Ring. Bevor er ging, verpasste er mir eine Dusche und ich lag einfach da. Es war beengt, nass, ich bin vor Lust vergangen. Ich verliere bei sowas das Zeitgefühl. Als er wieder kam, fuhren wir an einen anderen Ort, Er ließ mich aussteigen. Es war an einem Rastplatz und er ließ sich mit dem Mund verwöhnen. Ich hatte Angst, dass jemand uns entdecken würde, aber niemand kam (oder wenn doch, verschwand er direkt wieder). John schlug mir den Hintern mit seinem Gürtel. Wir hatten Sex. Ich durfte schlucken. Wir fuhren in das Hotel zurück und es war gut, dass es schon dunkel war, aber wir merkten, dass die Temperatur ziemlich gefallen war. John ließ Badewasser ein. Wir lagen einfach im Wasser, sahen den Seifenblasen zu. Ich fühlte mich schwer und trotzdem schwerelos, einfach tief entspannt. John streichelte mich und ich durfte endlich einen Höhepunkt haben, nachdem er den ganzen Tag Edging gespielt hatte. Er sagte, für den Rest der Zeit dürfte ich ohne den Verschluss sein, aber in der Nacht konnte ich nicht schlafen. Es hat mir gefehlt, verschlossen zu sein. Der Verschluss gibt mir Sicherheit, ich fühle mich darin geborgen. Ich glaube, das können nur wenige Menschen nachvollziehen, weil für die meisten erzwungene Keuschheit etwas ist, das sie für nicht erstrebenswert halten. Ich habe John um 2 Uhr morgens darum gebeten, mir den Käfig umzulegen. Er tat es und küßte mich: “ich dachte, wir gehen morgen hier in die Sauna…..dann musst Du eben so gehen”. Ich habe das getan, mit einem Handtuch umgebunden.

Der Keuschheitsverschluss gibt mir Sicherheit und Ruhe. Es geht nicht mehr ständig darum, wann ich den nächsten Orgasmus haben werde oder haben will. Wenn ich anfange, John mit Fragen danach, wann ich das nächste Mal kommen darf, zu nerven, dann verschiebt er den Zeitpunkt immer weiter nach hinten. Er sagt, ein guter Sub ist folgsam und geduldig. Ich versuche es. Manchmal tut der Frust darüber nicht kommen zu dürfen, körperlich weh, und in der Situation muss er mich auffangen. John ist ein fairer Dom. Wenn er sagt, ich darf erst in drei Wochen einen Höhepunkt haben, dann hält er sich daran. Er wirft seine Regeln nicht um und ist sehr konsequent. Die Keuschheit schenkt mir ein Stück Freiheit, und ich schenke John mit ihr einen Teil von mir. Die Liebe hat mich wortwörtlich eingefangen.

Die Zeit und Energie, die ich nicht mehr darauf verwende, geil zu sein oder an mir rumzuspielen oder Pornos anzuschauen, kann ich für sinnvolle Dinge nutzen. Am Anfang habe ich eine Beschäftigung gebraucht, weil allein das Gefühl des Käfigs eine permanente Dauergeilheit im Gehirn verursacht hat, denn unterhalb der Gürtellinie ging das ja nicht mehr (der Käfig verhindert das Hartwerden). Ich musste mich ablenken, um nicht durchzudrehen. Heute gibt es auch Tage, an denen ich es kaum aushalte, aber ich bin entspannter geworden. Ich fühle mich verschlossen wohler als offen. Wenn ich verschlossen bin, bin ich anschmiegsamer, weniger aggressiv, ich diene aufmerksamer. John sagt, mit dem Birdlock bin ich gezähmt worden, und ich glaube, er hat Recht. Ich bin dankbarer für die Gelegenheiten, wo ich kommen darf. Der einzelne Höhepunkt ist wertiger geworden, ich konsumiere Orgasmen nicht mehr einfach nur.

Probleme habe ich nach wie vor mit Tease & Denial. Nicht körperlich, aber emotional. Es verletzt mich, wenn John mit mir spielt und mich dann wieder einschließt, den Käfig zentimeterweise überstülpt und meine Lust einfach nicht befriedigt wird. Danach weine ich manchmal oder bin für eine Weile einfach nur still. Ich muss dann gehalten werden, mich langsam beruhigen und bei John sein dürfen. Ich arbeite daran, das nicht als Zurückweisung oder Liebesentzug, sondern gerade als Liebesbeweis meines sadistischen Partners zu sehen. Die Spiele, die über die körperliche Ebene hinaus in die Seele zielen, sind am härtesten.

Der Herbstregen hat mich heute nachdenklich gemacht. Für meinen Vater war es ein Spiel, mich immer wieder zu reizen, bis ich gekommen bin, oft hintereinander, bis es weh tat. John tut das Gegenteil. Er dosiert meine Geilheit. Manchmal denke ich, damit heilt er einen Teil von mir, der sich ohne den Birdlock noch immer durch die Weltgeschichte f… würde. Love you, Sir.

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