Sprache und BDSM

Wenn wir spielen, verfällt John meistens in seine Muttersprache. Er sagt, für ihn ist es authentischer als Deutsch, und ich finde, dass SM und englische Sprache in Kombination sexy sind. “Can you take it?” würde auf Deutsch in meinen Ohren komisch klingen und auch nicht ganz erfassen, was das Englische meint: “Kannst Du es nehmen?”. Das klingt falsch für mich, aber vielleicht liegt das nur daran, dass ich seit zweieinhalb Jahren meistens auf Englisch spiele (in mehr als einer Hinsicht :-)).

Englisch gefällt mir auch deswegen besser, weil die Wahrscheinlichkeit, dass dabei Worte oder Sätze fallen, die mein Vater verwendet hat, bei Null liegt. Ich habe schon geschrieben, dass ich mich niemals “Sau” oder “Köter” nennen lassen würde, aber es gibt noch andere Worte, die ich nicht akzeptiere. Es gibt auch bestimmte Tonfälle, die ich nicht vertrage, weil sie mich an ihn erinnern. Ein harter, kalter Tonfall ist nicht gut für mich. John kann hart und trotzdem weich und warm mit mir sprechen, so dass ich allein schon durch seine Stimme weiß, dass er mich liebt und mich auffängt.

Die Stimme ist für mich bei vielen Spielen wie ein Anker. Ich kann auf dem Schmerz geknebelt, gefesselt und blind treiben und verliere mich nicht, weil Johns Stimme mich trägt und bei mir ist. Wenn er mich anderen überlässt und nicht dabei ist, kann ich seine Stimme trotzdem in mir hören. Ich kenne ihn gut und weiß, was er sagen würde.

Bei der “englischen” Form von SM, die wir leben, geht es ja auch um Respekt, Höflichkeit, gute Manieren und gepflegte Umgangsformen. John braucht nicht herumschreien oder ausfallend werden, um seine Dominanz auszudrücken. Normalerweise finde ich Männer, die das tun, um dominanter zu wirken, sogar weniger glaubwürdig. Manchmal reicht ein Blick oder eine kleine Geste, um mich dazu zu bringen, gehorsam zu sein.

Beim Spielen sieze ich John und nenne ihn “Sir”. Ich drücke damit meine Unterlegenheit aus, was dadurch verstärkt wird, dass er mich duzt und meistens “boy” (also “Junge”) und nicht “man” (“Mann”) nennt. Ein Mann wird von der Gesellschaft als erwachsen und fertig erzogen angesehen, ein Junge nicht.

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