Kleidung

Es heißt, dass Kleider Leute machen. Ich habe heute darüber nachdenken müssen, weil ich einen Traum hatte, der mir eine Erinnerung zurückgebracht hat. Ich habe ja schon geschrieben, dass meine Erinnerung an viele Jahre in meinem Leben bruchstückhaft ist. An meine frühe Kindheit habe ich am wenigsten Erinnerungen, aber es werden mehr, je älter ich werde. Ich habe später auch mit Blackouts zu kämpfen gehabt, aber das habe ich zum Glück schon lange nicht mehr gehabt. Das war sehr unangenehm.

Ich habe letzte Nacht bei John geschlafen. Wenn ich bei ihm bin, träume ich oft, weil ich mich geborgen fühle und tiefer schlafe. Ich habe von einem Tag geträumt, als ich ungefähr 15 oder 16 war. Ich war in der Schule und sehr müde. Mehrere Mädchen wollten mir zeigen, wie man etwas bastelt, was wir für den Unterricht machen sollten, aber ich war so müde, dass ich es nicht schaffte. Nach der Schule war ich mit einer von ihr einkaufen. Ich war so müde, dass ich mich im Eingangsbereich eines Supermarkts hinlegte und schlafen wollte. Sie war geschockt und sagte, dass ich das nicht machen kann, weil die Besitzer mich dann rausschmeissen. Ich habe ihr angesehen, dass sie Mitleid mit mir hatte. Ich trug alte, dreckige Sachen. Ich sah ihren Blick und sagte: “Ich habe nichts anderes, ok?”. Dann bin ich aufgewacht.

Auf einmal war die Erinnerung wieder da. Es ist genauso passiert, nur dass es kein Supermarkt war, sondern ein großes Kaufhaus. Im Eingang war es warm und ich war so müde, dass ich auf der Stelle eingeschlafen wäre. Ich war oft müde und konnte nicht gut schlafen. Ich hatte immer Angst, dass mein Vater nachts reinkäme und Sex wollen würde. Ich hatte auch nie schöne Anziehsachen. Mein Bruder ist immer größer und stärker gewesen als ich und ich habe oft seine Sache aufgetragen, die mir gar nicht richtig passten.

Heute bin ich eitel. Ich habe nicht viel Kleidung, aber mir ist wichtig, dass die Sachen passen und gepflegt sind. Ich habe auf der Arbeit immer wenigstens ein Shirt zum Wechseln dabei, weil die Kisten manchmal dreckig sind und ich nicht den ganzen Tag in dreckigen Sachen rumlaufen will. Ich trage am liebsten Jeans und Shirts, im Winter mit Strickjacke oder Pullunder. Ich finde, das Hemden und Anzüge mir nicht stehen. John trägt gerne Anzüge. Er muss für seinen Beruf immer einen Anzug tragen und ich finde ihn schön darin. Er strahlt aus, dass er dominant ist. Wenn wir spielen, mag ich es auch, wenn er einen Anzug trägt, mit weißem Hemd, Fliege oder Krawatte, Weste und Sakko. Ich finde es sexy, wenn er sein Sakko auszieht und es ordentlich hinlegt, damit es nicht knittert, und wenn er seine Krawatte lockert und die Hemdsärmel hochfaltet, bevor er mich schlägt, besonders wenn er seine Uhr trägt. Bevor ich John kannte, war mir nicht bewusst, dass es so große Unterschiede zwischen billigen und teuren Anzügen gibt. Ich finde es noch immer verrückt, soviel Geld für Kleidung auszugeben.

Als Kind hatte ich oft zu kleine Schuhe oder zu enge Hosen. Ich weiß es nicht genau, aber ich denke, es gehörte zum Missbrauch dazu. Es war einfach eine subtile Art von MIsshandlung. In meiner Pubertät habe ich wegen meiner Kleidung nicht dazugehört. Ich denke schon, dass Kleider Leute machen.

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