Verpflichtungen gegenüber Shiva

Ich habe schon erwähnt, dass ich von John bestimmte Aufgaben bekommen habe, die ich zu festgelegten Zeitpunkten bzw. in festgelegten Zyklen zu erledigen habe. Zu diesen Aufgaben gehört zum Beispiel vier- bis fünfmal am Tag etwas zu essen, ausreichend zu trinken und zu schlafen, regelmäßig an Therapiesitzungen teilzunehmen ect. Manchmal kommen einmalige Aufgaben (Sonderaufgaben) dazu, die auch Teil eines Spiels sein können: einen Aufsatz schreiben, einen Comic zu einem bestimmten Thema malen, mir die Haare schneiden lassen ect. Ich denke, dazu gehört außerdem, das John mich an andere Männer verleihen kann und dass ich die Pflicht habe, immer ehrlich zu sein.

Ich weiß, dass das für Menschen ohne unsere Neigungen schwer zu verstehen ist, dass ich einen Teil meiner Freiheit und meiner Entscheidungsgewalt abgebe bzw. das John es auf sich nimmt, diese Verantwortung für mich zu tragen. Für einen devot-masochistischen Menschen wie mich ist Dienen aber gerade das, was frei macht, und für einen dominant-sadistischen Menschen wie John ist es befriedigend, diese Kontrolle auszuüben. Befriedigend nicht nur in sexueller Hinsicht, wie ja überhaupt der Großteil unserer Beziehung nicht sexuell ist, auch wenn das hier möglicherweise anders anklingt.

Im Zusammenhang mit Bhakti Yoga (Yoga der Hingabe an Gott) habe ich immer wieder gelesen, dass Menschen nach Regeln leben, die Gott ihnen gegeben hat oder die sie für Regeln halten, die ihrem Gott gefallen würden. Ich tue mich noch immer sehr schwer damit, zu sagen, ich rede mit Shiva und Shiva redet mit mir, weil es klingt, als würde ich Stimmen hören. Das ist nicht der Fall. Aber ich nehme eine leise Stimme in mir wahr, die ich für Shivas Stimme halte, ähnlich wie Christen Jahwe in ihrem Herzen wahrnehmen. Es sind nicht unbedingt Worte, manchmal sind es Stimmungen oder Tendenzen. Ich denke zum Beispiel “soll ich jetzt eine Puja machen, wo ich eigentlich nicht genug Zeit habe?” und dann spüre ich ein “nein, warte lieber bis heute Abend”.

Shivaisten folgen unterschiedlichen Regeln und ich glaube, dass es darauf ankommt, wie weit man für Shiva gehen möchte. Ich glaube, Einsiedler bekommen andere Regeln als Familienväter und Inder, die im Glauben an Shiva groß geworden sind, andere Regeln als Menschen wie ich. Es gibt Shivaisten, die den Großteil ihrer Zeit meditieren (offensichtlich oft im Cannabisrausch) und die sich verpflichtet haben, für den Rest ihres Lebens nur noch die Farbe Orange zu tragen. Ich denke, solche Regeln wären für mich nicht sinnvoll, weil ich sie nicht in mein Leben integrieren könnte.

Ich möchte Regeln finden, an die ich mich halten kann, um Shiva zu zeigen, dass ich Verbindlichkeit suche, also dass es keine Nebensächlichkeit ist, dass ich mich mit ihm beschäftige. Eigentlich ist das nicht viel anders als in meiner Beziehung zu John. Ich möchte Shiva gegenüber aufrichtig und ehrlich sein und ihm dienen, weil das mein Weg ist, verbindliche Beziehungen einzugehen.

Die erste Regel, die ich gefunden habe, ist täglich Puja machen. Ich habe mich dazu verpflichtet, aber es gibt die Möglichkeit, anstatt einer “ganzen Puja”, die ungefähr 20 Minuten dauert, eine “kleine Puja” zu machen, bei der ich 108 Wiederholungen von Om Namah Shivaya singe und Opfergaben mache. Ich habe gelesen, dass Hindus, die in Europa und in Nordamerika und Kanada leben, anstatt von Blüten zum Beispiel Reis, Gemüse, Süßigkeiten und Tee opfern. Das bekomme ich auch im deutschen Winter gut hin🙂

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s