Stolz

Eine meiner ersten wirklichen Kontakte mit der deutschen SM-Szene war der Bericht meiner Freundin T. von ihrem Besuch der “Nacht der Leidenschaft”. Bis zu diesem Zeitpunkt war SM für mich etwas rein Privates, das ich auf keinen Fall öffentlich ausleben wollte. Sie erzählte mir, dass bei der NDL ein homosexuelles Paar anwesend war. Der Dom schlug seinen Sub, bis er offenkundig sehr erregt war, und hieß ihn dann, sozusagen quer durch den Ballsaal zu gehen, um irgendetwas zu tun. T. sagte wörtlich “Er ging mit seinem steil aufgerichteten Schwanz durch die Menge. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der mehr Stolz ausgestrahlt hat!”. Dieses Gespräch fand vor etwa 13 Jahren statt und dass ich mich so genau an ihre Schilderung erinnere, zeigt, wie sehr mich das beeindruckt hat. Ich habe bis dahin nie das Gefühl gehabt, dass meine submissive Neigung etwas ist, das mit Stolz verbunden sein könnte. Ich habe mich eher dafür geschämt.

Heute denke ich, dass ich nicht auf meine Neigung stolz bin, sondern darauf, dass ich Johns Anweisungen nachkomme, dass ich für ihn Schmerz und Demütigung ertrage und dass ich für ihn meine Lust im Zaum halte. Ich bin stolz darauf, ihm zu dienen, und es macht mich glücklich, wenn ich sehen kann, dass er auf mich stolz ist.

Ich hatte morgen vor fünf Wochen meinen letzten Höhepunkt, aber erst seit drei Tagen bekomme ich überhaupt wieder etwas sexuelle Aufmerksamkeit. John stimuliert mich bis kurz davor, aber ich muss mich kontrollieren (ruined orgasm). Es ist intensiv, demütigend, und es tut psychisch weh, sich immer wieder Hoffnungen zu machen, die jedesmal enttäuscht werden. Und trotzdem kickt es sehr heftig. Ein perfides Wechselspiel von Geilheit, Hoffnung, Enttäuschung und Demütigung. Früher hat John mir manchmal ein Datum gesagt, an dem ich das nächste mal kommen darf, aber dann war ich zu fixiert auf diesen einen Tag. Inzwischen lässt er mich im Ungewissen, wie lange es dauern wird, aber ich weiß, dass er es genießt, dass ich befürchte, dass es sehr lang wird. Ein Amerikaner (hetero) hat das Ziel, 500 Tage lang keinen Orgasmus zu erleben (nur ruined) und er ist bei über 300. Ich weiß nicht, ob ich das aushalten würde, ohne dass es eine Belastung für unsere Beziehung werden würde, aber ich bewundere den Mann total.

Morgen Abend gehen John und ich mit ein paar anderen Doms spielen. Er hat gesagt, es wird anstregend werden und ich soll am Nachmittag noch etwas schlafen und mich abends wirklich satt essen. Ich weiß nicht, was auf mich zukommt, aber John hat gesagt “you will make me proud of you”. Ich werde mein Bestes geben.

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