Lord Shiva im neuen Heim

Ich bin froh, dass ich heute frei hatte! Am Wochenende haben wir alle meine Sachen zu John gefahren, aufgebaut und eingeräumt, nachdem wir in der Woche zwei Zimmer in seinem Haus leer gemacht hatten. John sagt, dass er gar nicht gewusst hat, dass er so viele Sachen hat🙂 Ich bin glücklich, bei ihm zu sein. Er ist der erste Mann, mit dem ich zusammenlebe. Jedenfalls so richtig.

Ich habe hier ein sehr breites Fensterbrett, auf das ich die Sachen für Lord Shiva gestellt habe. Ich kann von dort aus direkt in den Garten sehen, ich mag den Platz. In den chaotischen Umzugstagen war Lord Shiva für mich eine Stütze. Ich hatte die Gebetsperlen immer in der Hosentasche dabei und habe sie berührt, wenn ich mich ängstlich oder haltlos fühlte. Es ist nicht leicht für mich, meine Wohnsituation zu ändern, auch wenn ich gerne mit John zusammenleben möchte. Ich habe ein Problem mit Veränderungen. Ich bin unsicher, wenn sich etwas verändert, und es fällt mir schwer, mich auf neue Situationen einzustellen, weil ich nicht weiß, was von mir erwartet wird, wie ich mich richtig verhalte, welche Stolpersteine es gibt, wo ich aufpassen muss ect. Regeln und Routine brauche ich wie Luft zum Atmen. Ich habe also auch im Chaos jeden Tag Puja für Lord Shiva gemacht und dabei zwei Sachen bemerkt.

  1. Raum und Zeit. Ich dachte, dass es keine oder keine große Rolle spielen würde, wann und wo ich Puja mache, weil Lord Shiva ja in sein Bild hineingerufen wird. Aber Raum und Zeit spielen doch eine Rolle! Vielleicht ist das auch nur für mich alleine so, aber ich fühle mich bei der Puja besser, wenn es früher Morgen oder später Abend ist, als wenn es Mittag oder Nachmittag ist. Dabei mag ich den Tag sehr gerne. Ich habe aber das Gefühl, dass die Zeiten, wo es ruhiger ist, besser für Puja geeignet sind. Vielleicht hat das auch nur etwas mit meiner Ablenkbarkeit zu tun.
  2. Grenzen. Ich glaube, Lord Shiva hebt Grenzen auf oder überwindet sie spielend. John sagt, das ist kein Wunder, weil er ein Gott ist. Für mich ist es aber ein Wunder, weil ich ziemlich starr an Grenzen, Routinen und Ritualen festhalte und es mir eigentlich schwer fällt, etwas zu verändern. Ich spreche davon, dass ich Kuhmilch in die Zeremonie eingebaut habe, dass ich aber sonst ja keine Kuhmilch mehr trinken kann. Ich wasche mit der Milch den Lingam und streue etwas von den Opfergaben darauf, wenn er noch feucht ist, wodurch sie daran kleben. Es fühlt sich viel lebendiger und richtiger an als vorher. Bisher fühlte sich Kuhmilch für mich nicht gut an und mir wurde schlecht, wenn ich an sie dachte oder sie roch.

Es gibt noch eine Veränderung, aber ich kann nicht festlegen, ob sie mit John, mit Lord Shiva oder nur mit mir zu tun hat. Ich bin seelisch behindert und das war in den vergangenen 20 Jahren immer ein großes Thema. Es hat meinen Alltag bestimmt, dass Leute sich auf eine bestimmte Weise über mich äußerten, dass mir bestimmte Sachen nicht zugetraut wurden und dass die Erwartungen an mich nicht sehr hoch waren. Eher im negativen Sinn, dass mir Sachen abgenommen wurden, weil niemand geglaubt hat, dass ich sie selber schaffe oder dass ich sie richtig machen kann. Ich finde, den Umzug und die ganzen handwerklichen Sachen habe ich aber gut geschafft und ich habe keine “Psycho-Auszeit” genommen, also ich lag nicht heulend oder durchdrehend im Bett oder Schlimmeres. Ich fühle mich stabil.

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