Hunger

Wenn ich Menschen sehe, die in Abfallkörben nach Essbarem suchen, macht mich das traurig, weil ich das selbst kenne. Viel, was weggeworfen wird, kann man noch gut essen, auch kalte Pommes oder angebissene Semmeln, aber das ist Gewöhnungssache. Menschen, die im Abfall nach einer Mahlzeit suchen, machen das ja nicht, weil es so gut schmeckt, sondern weil sie Hunger haben. Und Hunger ist eine starke Motivation, sich mit etwas zu arrangieren. Ich war oft hungrig, weil mein Vater mir kein Essen gegeben hat. Ich habe dafür gebettelt und im Müll geschaut und gelernt, wo ich Essen finden kann, und ich war nicht zimperlich. Das kann man auch nicht sein, wenn man hungrig ist.

Ich habe mit meinem Blutzucker Probleme, obwohl ich kein Diabetiker bin. Er ist stabil, bis er irgendwann einfach so rapide abfällt, als würde mein Körper denken, er hätte lange nichts zum essen bekommen. Ich werde von einer Sekunde auf die andere shaky und fühle mich sehr schwach. Manchmal ist es so schlimm, dass ich mich nicht mehr aufrecht hinstellen oder gehen kann. Das kann auch während einem Spiel passieren und dann muss John direkt mitbekommen, was los ist, sonst baue ich so schnell ab, dass ich glaube, dass ich ohnmächtig werde. Ich sollte immer Traubenzucker dabei haben, aber ich finde ihn ekelig. Meistens helfe ich mir mit Süßigkeiten oder Cola, obwohl ich beides nicht gerne esse / trinke.

Eine meiner Regeln von John lautet, dass ich vier bis fünf Mahlzeiten pro Tag essen soll, und er hat mir diese Regel gegeben, weil ich nicht so regelmäßig gegessen hatte, als wir zusammen kamen. Damals ist es öfter passiert, dass ich Unterzucker hatte, jetzt ist es seltener. Ich versuche, alle 4 Stunden zu essen, aber das klappt nicht immer genau.

Wenn ich sehe, dass andere im Abfall nach Essen suche, weiß ich nicht, was ich machen soll. Ich traue mich nicht so oft, einen fremden Menschen anzusprechen und ihn zum Essen einzuladen, weil ich eigentlich erstmal Angst vor Fremden habe. Aber ich will auch nicht wegsehen, weil das die Leute nicht satt macht und ihnen nicht hilft. Ich will aber auch kein Geld geben, weil viele davon Alkohol oder Zigaretten kaufen anstatt Essen. Ich bin skrupelloser geworden, als ich mehr oder weniger auf der Strasse gelebt habe. Alles, was Leute Nettes für mich machen wollten, kam mir vor, als würden sie sich über mich lustig machen, und ich habe Nettigkeit mit Hohn vergolten.

John sagt, ich bin nicht für andere verantwortlich, aber ich fühle mich trotzdem so.

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