Männer

John und ich haben am Wochenende meinen Bruder und seine Frau besucht. Wir haben über unsere Jugend geredet und mir ist deutlich geworden, wie unterschiedlich wir viele Dinge in Erinnerung haben oder bewerten. Manche Sachen, die ich schlimm finde, findet er ganz normal, zum Beispiel Streitereien oder Schlägereien unter Kindern. Mein Bruder war zwei Klassen über mir in der Grundschule und er ist nie verdroschen worden, weil er sich immer behaupten konnte. Ich konnte das nicht. Ich bin oft verdroschen worden und finde das gar nicht normal. Ich glaube, ich habe schon mein ganzes Leben das Gefühl, unterlegen zu sein. Als ich ungefähr in der Pubertät war, gab es eine Phase, wo ich versucht habe, zurückzuschlagen, aber ich war damit nicht erfolgreich, vielleicht weil ich nicht wirklich ein Schläger war, sondern das nur gespielt habe. Mein Vater hat sich das nicht bieten lassen, wenn ich zurückschlagen wollte. Ich habe dafür immer gebüßt und dann habe ich es gelassen. Ich habe versucht, Gewalt an mir abperlen zu lassen, weil ich dachte, wenn ich keine Widerstand biete, dann geht es schneller vorbei. Das war nicht immer korrekt. Manche Menschen fühlten sich davon angestachelt.

Ich musste auch an mein erstes Mal denken. Es war mit einem Jungen aus meiner Klasse, als wir 17 waren. Er war auch jemand, der mich oft fertig gemacht hat. Einmal haben wir dabei etwas Teures kaputtgemacht, als ich vor ihm weggelaufen bin, da mussten wir eine Strafarbeit an einem Wochenende machen, die Kaugummis von den Böden kratzen. Es war sehr eklig und schwere Arbeit und abends sind wir in den Umkleiden duschen gegangen. Ich wollte das nicht, aber er hat gesagt, er würde es mir zeigen, wenn ich nicht sofort duschen gehe. Ich habe mich geschämt. Er war sportlich und trainiert und ich überhaupt nicht. Ich weiß nicht, ob er gesehen hat, wie ich ihn angeschaut habe. Am nächsten Tag sind wir nach der Arbeit wieder duschen gewesen und da ist es passiert. Er war sehr zärtlich und es war schön. Es war das erste Mal, dass es schön war. Er hat mich danach in der Schule wie Luft behandelt, aber wir haben es noch ein paarmal gemacht, bis ich die Schule geschmissen habe. Ich glaube, ich war verliebt.

Als ich auf der Strasse war, habe ich auch einen Mann kennengelernt. Er hieß Julian und war älter als ich. Wenn man auf der Strasse ist, sagt man nicht, dass man schwul ist, weil die anderen einen dann meiden oder weil sie einen dann vielleicht vergewaltigen oder weil dann alle denken, dass man automatisch anschaffen geht. Wenn es kalt war, haben Julian und ich uns eng zusammengelegt, damit wir nicht so frieren. Ich fand es romantisch. Er war ein Raubein, aber dabei war er vorsichtig und einfühlsam. Er hat nie gefragt, woher meine Narben kommen, aber ich glaube, er hat es gewusst. Julian ist 1996 an einer Lungenembolie gestorben. Ich denke noch oft an ihn. Ich habe mich bei ihm geborgen gefühlt.

Als wir zuhause waren, habe ich mich an John gekuschelt. Bei ihm fühle ich mich auch irgendwie unterlegen, aber nicht auf eine schlechte Weise. Ich fühle mich manchmal bei ihm wie sich vielleicht ein kleiner Junge bei einem guten Vater fühlt. But I am not able to call you Dad, John. I just can’t. I am afraid of what this might trigger, though a part of me silently has given you this name a long time ago. But I can’t speak it out loud. I am not even able to write this down in my native language. I can’t imagine what I would feel like. I have never called anyone Dad or Papa. I feel save when I’m with you, I feel loved, but I can’t.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s