Sexualisiertes Verhalten

Vor der Yogastunde habe ich heute mit meinem Yogalehrer über das letzte Mal geredet, wo ich heulen musste. Es ist mir nicht leicht gefallen, so offen mit ihm darüber zu reden, dass ich seelisch behindert bin und eine PTBS habe, aber ich glaube, es war gut, dass ich es gemacht habe. Er hat gesagt, dass es wichtig ist, dass ich ehrlich zu mir selbst bin und wenn ich merke, dass eine Grenze touchiert oder überschritten wird, für mich selbst entscheide, ob ich nur eine Pause mache oder abbreche und gehe. Er hat gesagt, dass er kein Therapeut ist, aber das war mir schon vorher klar. Ich will auch überhaupt nicht, dass Yoga meine Therapie ersetzt, aber ich hoffe, dass er sie unterstützen kann.

Nach der letzten Stunde war ich etwas aus der Bahn geworfen, weil ich nicht gedacht hätte, dass Yoga so krass sein kann, aber es muss ja einen Grund dafür geben, dass die Leute ihn seit 5000 Jahren machen und dass er noch immer gemacht wird. Wenn er wirkungslos wäre, würde ihn keiner machen, denke ich.

Mein Yogalehrer hat mich gefragt, wie ich es verkrafte, von anderen Menschen berührt zu werden, weil er für die letzte Stunde etwas geplant hat, wo man mit einem Partner zusammen Yoga macht und sich auch berührt. Die Frage hat mich überrascht und ich wusste nicht, was ich dazu sagen soll. Normalerweise berühren mich nur Menschen, von denen ich es kenne oder erwarte (John, Freunde, Ärzte, bis vor kurzem auch Sexpartner), aber ich weiß nicht, wie ich es finden soll, dass mich jemand beim Yoga berührt. Es war in Ordnung, als mein Yogalehrer meine Fußsohlen berührt hat (heute hat er gesagt, dass er das normalerweise nicht macht, aber dass er dachte, es wäre gut, und es war ja auch gut), aber eigentlich vermeide ich, dass fremde Menschen mich berühren. Mich berühren zu lassen, hat mit Vertrauen zu tun, und es gibt Methoden, berührt zu werden, die ich nicht gut ertrage. Es macht mir nichts aus, wenn mich jemand bei einem Spiel schlägt, aber ich musste erst lernen, dass ich es gefahrlos zulassen kann, dass John mich im Arm hält oder streichelt. Ich möchte nicht, dass jemand anders mich so berührt. Meine Freundinnen und W umarmen mich, wenn wir uns begrüssen oder verabschieden, aber das ist nicht so intim. Ich kann mich nicht von einem Fremden massieren oder streicheln lassen. Dabei habe ich das Gefühl einer Bedrohung und suche Abstand. Das habe ich meinem Lehrer gesagt und er hat gesagt, es geht nicht um solche Zärtlichkeiten, sondern um Berührungen der Hände, der Fußsohlen und der Rücken. Ich weiß nicht, wie das sein wird, aber ich will es versuchen. Wenn es nicht geht, muss ich abbrechen. Das würde mir zwar für den anderen leid tun, aber ich mache nichts mehr, was ich nicht auch will.

Heute ist mir wieder aufgefallen, wie stark sexualisiert ich denke und fühle. Wenn jemand von Berührung spricht, denke ich direkt daran, dass es irgendwie um etwas Sexuelles geht, ob consensual oder nicht. Wenn ich mit jemandem streite, gibt es trotz der Therapie immer noch einen Teil in mir, der denkt, ich sollte Sex als Wiedergutmachung anbieten. Wenn ich mich unwohl fühle oder wenn mir langweilig ist oder wenn ich gestresst bin, würde ich am liebsten masturbieren oder wenigstens Pornos schauen, bis es mir besser geht, dabei weiß ich, dass es mir dadurch nicht wirklich besser gehen würde. Wenn ich irgendwo einen Mann sehe, denke ich daran, wie er nackt aussähe und wie es wäre, Oralsex mit ihm zu haben, obwohl ich das nicht ohne Johns Erlaubnis tun darf und eigentlich auch überhaupt nicht tun will. Sogar wenn ich arbeite oder beschäftigt bin, denke ich oft an schnellen, anonymen Sex. Manchmal fühle ich mich von diesen ganzen sexualisierten Gedanken völlig ausgelaugt und erschöpft. Es ist anstrengend und es macht keine Freude. Ich fühle mich deswegen schuldig und schlecht, weil ich denke, ich sollte stärker sein und es schaffen, diese Sichtweisen abzulegen. But I was trained to offer sex for reparation, I was trained to focus on sex. I feel so bad about it. Like a weak, dirty man and not the upright person I ought to be.

Ich habe gelesen, dass man durch den Yoga lernen kann, seine sexuelle Energie zu lenken (Tantra). Das ist auch ein Antrieb für mich. Ich finde es ekelhaft, so sexualisiert worden zu sein.

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