Schwulsein und Lord Shiva

Manchmal frage ich mich, ob ich als schwuler Mann zu Lord Shiva eine Bindung haben darf (oder kann). In der indischen Gesellschaft sind Schwule immer noch geächtet und werden strafrechtlich verfolgt. Sind Gott und Gesellschaft zwei ganz unterschiedliche Sachen, die losgelöst voneinander existieren? Ich habe Gründe gefunden, die dafür und dagegen sprechen, aber ich habe keine Antwort gefunden. Lord Shiva selbst hatte homo- und transsexuelle Affären und Parvati wollte die Hälfte seines Körpers sein.

Für mich fühlt es sich normal an, schwul zu sein, und wenn ich Lord Shiva frage, ob es Ihn stört, dass ich schwul bin, lacht Er nur. Aber ich weiß nicht, ob Er lacht, weil Er die Frage dämlich / unnütz findet oder weil Er damit ausdrücken will, dass Er mich verhöhnt. Aber Hohn habe ich bisher von Ihm nicht erfahren. Es ist nur, dass ich Angst davor habe.

Ich habe das Gefühl, dass es nur sehr wenige schwule Männer gibt, die mit ihrer sexuellen Orientierung komplett und immer im Reinen sind und waren und auch immer von ihrem Umfeld akzeptiert wurden. Mein Vater hat mich zwar benutzt, um sich sexuell zu befriedigen, aber er hat mich auch als “Schwuchtel” oder “schwule Sau” beschimpft. Es gab immer so einen Widerspruch, weil ich dachte, wenn er so hetero ist, wie kann er dann das tun, was er tut? Vielleicht dachte er, es würde nicht als schwuler Sex zählen, wenn er behauptet, er sei hetero. John hat mir von der Reaktion seines Umfelds erzählt, als sie ihn mit einem anderen Jungen erwischt haben, und das fand ich auch krass. Sein Vater hat ihn zu sich zitiert und angeordnet, dass er nicht schwul zu sein hat und dass er von ihm erwartet, dass er heiratet und wenigstens zwei Nachkommen zeugt. Erst viel später hat sein Vater John akzeptiert, wie er war, aber für seine Mutter war es von Anfang an ok. Vielleicht sind Mütter nicht so fixiert auf die sexuelle Orientierung ihrer Kinder und akzeptieren sie, wenn ihr Kind einfach glücklich ist. John hat es mit Frauen probiert, eine Erfahrung, die ich nicht habe, aber er sagt, er hat immer gewusst, dass er schwul ist. Gay to the core. So am I🙂

Ich denke, ich könnte mich nicht für Lord Shiva öffnen, wenn ich dauernd eine Lüge leben müsste. Ich fühle mich zu großen, starken Männern (stable men) hingezogen und ich finde, dass Lord Shiva auch so ist. Ich bin passiv.

9 thoughts on “Schwulsein und Lord Shiva

  1. mondfeuer says:

    Hey Blaubeermann,

    Warum sollte es für eine Gottheit ein Problem sein dass du schwul bist?
    Man muß sich immer vor Augen halten, dass Religionen von Menschen für Menschen gemacht wurden.
    Spiritualität aber ist die direkte Interaktion mit dem Göttlichen, ohne die Religion.
    Deshalb denke ich, dass den Göttern schlicht egal ist ob wir Holebi, Asexuell, Transsexuell, Transgender, Pansexuel oder sonstwas sind.
    Was da zählt ist das was im inneren ist.
    So zumindest meine Erfahrung.

    Om Namah Shiva!

  2. Blaubeermann says:

    es gibt doch Gottheiten, denen es etwas ausmacht, wenn man schwul ist, wie Jahwe und Allah. In der indischen Gesellschaft ist Homosexualität immer noch bei Strafe verboten und da weiß ich nicht, ob es Lord Shiva etwas ausmacht, weil Er doch von dort kommt. Ich weiß nicht, ob Götter ganz losgelöst von der Gesellschaft in ihrem Heimatland existieren.

  3. mondfeuer says:

    Hey,

    Nunja, die Bücher geben vor dass es so ist.
    Ich persönlich denke ganz klar dass all diese Regeln und Verbote, Gesetze und Dogmen menschengemacht sind.
    Klar besteht eine wechselbeziehung zwischen dem Kult und der Gottheit, doch sehen die Gottheiten vieles wesentlich lockerer als ihre Devotees.
    Ich glaube auch daran dass es keine allgemeingültigen Wahrheiten gibt und sich das göttliche jedem von uns auf seine Art und Weise offenbart und uns an die Hand nimmt. Aber das sind nur meine Gedanken und Erfahrungen.
    Wenn Shiva sich durch deine Pujas angesprochen fühlt (wo mich brennend interessieren würde wie die aussehen, aufgebaut sind u.ä., weil mich das selber sehr reizt), du erfährst dass dadurch positiv was in Gang kommt und du dich von ihm angenommen fühlst, warum sollte er dann etwas gegen deine Sexualität haben?

    Wie gesagt, Religionen sind von Menschen für Menschen gemacht.

  4. Blaubeermann says:

    woher kann ich wissen, wie eine Gottheit etwas findet, wenn alle oder viele ihrer Anhänger sagen, es ist so und so? Ich dachte, dann muss es eigentlich auch so sein. Woher weiß man, dass das, was man fühlt, echt ist? Ich habe nur Angst, etwas falsch zu machen.
    Wie ich Puja mache, habe ich hier geschrieben: https://blaubeermann.wordpress.com/2013/10/01/puja-struktur/
    Inzwischen ist es etwas anders. Ich kann darüber nochmal extra bloggen. Wie kommunizierst du mit Hekate? Machst du auch Puja für sie?

  5. mondfeuer says:

    Hey,

    Liest sich gut, werd ich auch mal für Shiva machen, vielleicht bekomm ich ihn dann endlich etwas klarer auch im Alltag “gepackt”
    Naja, nur weil viele seiner Anhänger das so sehen, es unreflektiert übernehmenw as ihnen die führende Priesterschaft so mitteilt, heißt es ja nicht dass es so auch von seiten der Gottheit so gesehen werden muß.
    Es gibt leider auf den Spirituellen Wegen keine wirklichen oder fixen Parameter woran man festmachen kann ob etwas echt und richtig ist.
    Ein paar gibt es aber schon.
    Da wäre zum einen das persönliche Gefühl, dann die Sache mti der Manifestation. Wenn es wirkt, dann ist es wirklich.
    Ein Satz der mich bei sowas schon lange begleitet ist: Erfolg sei dein Beweis.
    Wenn ich fühle, merke, sehe dass meine Verbindung zu einer Gottheit (oder mehrere+ Geister+ Ahnen) stark ist, sich in meinem Leben wie durch Zauberhand etwas bewegt, dann weiß ich dass ich geführt, begleitet, beschützt werde.
    Wenn sich Probleme lösen oder Möglichkeiten ergeben, wo eigentlich nichts mehr möglich war, ich aber vorher mit (Entität bitte einfügen) darüber gesprochen habe, dann weiß ich einfach dass es gut und richtig war/ ist.
    Für Hekate mache ich in dem Sinne keine Puja wie du sie für Shiva machst.
    Möglichst täglich entzünde ich ihr auf dem Altar ihre Kerzen und Räucherwerk (wobei da auch andere Wesenheitens idn die das auch bekommen), verbinde mich via einer Formel aus den griechischen Zauberpapyri (ähnlichem einem Mantra) mit ihr und bete dann zuweilen auch zu ihr.
    Direktere Kommunikation betreibe ich dann am liebsten via schamanischer Reise, oder aber wenn ich ein Ritual für/ mit ihr abhalte, dann gehe ich in eine leichte Trance und kommuniziere dann mit ihr.
    lg
    Mo

  6. Alexis Solvey Viorsdottir says:

    also ich denke, wie Mondfeuer, dass diese Dogmen von Menschen gemacht sind. Meiner Meinung nach stehen Götter weit über so Dingen wie Gender oder sexuellen Ausrichtungen. Selbst bei JHVH oder Allah wäre ich mir nicht so sicher. Ihre Lehren und Regeln wurden von ängstlichen Menschen verfasst, die zu bestimmten Zeiten vielleicht Sinn ergeben haben. Aber ich denke im Großen und Ganzen ist das einer Gottheit egal.

  7. Blaubeermann says:

    ich glaube, wovon Mondfeuer schreibt, habe ich noch nicht erfahren, dass Lord Shiva für mich einen Weg bereitet, der vorher nicht da war. Aber ich merke, dass es mir gut tut, mit Ihm Kontakt zu haben und regelmäßig Puja zu machen. Da wirkt es schon.
    Vielleicht ist es auch, dass es Lord Shiva egal ist, dass ich schwul bin, und dass ich nur Angst habe, dass Er es nicht ok findet, weil viele Menschen es nicht ok finden.

  8. mondfeuer says:

    Passend zum Thema:
    Habe heute ein Bild von gandhi gesehen auf dem Stand:

    Gott hat keine Religion.

    Fand ich stimmig.

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