Segeln

Mich haben jetzt schon mehrere gefragt, ob es mich noch gibt, weil ich nicht mehr so oft schreibe ­čÖé John, mein Bruder, meine Schw├Ągerin und ich waren spontan eine Woche Segeln. Ich habe fr├╝her immer gesagt, dass ich mich das nicht traue, aber jetzt habe ich mir das doch zugetraut und es war sehr sch├Ân. Wir sind von Flensburg aus gestartet und waren bis nach Sonderburg, immer in kleinen Tagesetappen. Wir haben dann immer einen Hafen angesteuert und da geschlafen. Einmal haben wir Fahrr├Ąder geliehen und haben uns die Gegend angeschaut und ein Picknick gemacht. Mein Bruder und ich haben ein gutes Verh├Ąltnis, aber wir haben schon lange nicht mehr so viel Zeit miteinander verbracht und geredet. Ich glaube, dass er mich jetzt anders sieht, wo ich mit John auch vor dem Gesetz zusammen┬ábin. Mein Bruder war immer sehr kritisch bei meinen Beziehungen, weil er gewusst hat, dass ich dazu neige, mich benutzen zu lassen, also emotional, und dass ich gef├Ąhrdet bin, wenn es M├Ąnner waren, die nicht so gute Absichten hatten. Er kannte John ja schon l├Ąnger, aber er wusste nicht, dass es sein John ist, und als wird das rausgefunden hatten, war er beruhigter. F├╝r uns alle war es wichtig, dass John und ich jetzt eine eingetragene Partnerschaft haben, weil es etwas anderes ist als vorher. Ich kann das nicht gut erkl├Ąren, weil es nichts an meinen Gef├╝hlen ├Ąndern sollte, aber das tut es doch. Ich f├╝hle mich sicherer mit John. Ich hatte vorher sehr starke Verlust├Ąngste und jetzt ist es besser geworden. Man sollte das eigene Selbstwertgef├╝hl nicht auf solche ├Ąu├čerlichen Sachen bauen, aber ich f├╝hle mich jetzt sicherer und nicht mehr so beliebig. Durch die Lebenspartnerschaft bin ich noch fester ein Teil von John. Es ist schwer zu erkl├Ąren. Ich f├╝hle mich reifer.

In meinem Leben habe ich mich immer an den anderen M├Ąnnern orientiert. Ich war immer schwach und habe das gemacht, was sie gesagt haben oder was sie gemacht haben. Es fing mit meinem Vater an und dann auf der Stra├če und dann hinterher mit John. Jetzt glaube ich, dass ich mehr bei mir selber bin und auch mal etwas riskiere. Ich bin jetzt eher bereit, etwas zu sagen, das John nicht gut findet. Wir haben auch ├╝ber BDSM und den Haushalt geredet. Ich h├Ątte gern gehabt, das John mir mehr hilft, aber er sagt, er will das nicht machen, aber er akzeptiert, wenn ich nicht mehr alles machen will. Jetzt kommt zweimal die Woche ein Reinemachfrau und hilft mit. Es ist komisch, die Kontrolle abzugeben, aber es macht mich nicht mehr verzweifelt, weil es ja etwas ist, das ich wollte. Ich trage immer noch nicht wieder den Birdlock, aber T&D geht auch ohne. Und ich genie├če meine Sexualit├Ąt ohne Verschluss. Sie ist ganz anders als mit und ich kann auch ├Âfter die F├╝hrung ├╝bernehmen oder John signalisieren, dass ich mit ihm schlafen m├Âchte. Er akzeptiert das auch alles. Ich bin so froh, dass er das tut, und dass es kein Problem ist, dass ich mich ver├Ąndere und die Beziehung auch.

Wir haben viel geredet ├╝ber John’s erste gro├če Liebe, den Jungen von dem Internat, wo er war. Er denkt oft an ihn, weil es so ein schlimmes Ende genommen hat, und ich habe gesagt, er soll ihn anrufen, weil er ja wei├č, wo er lebt. Sie haben direkt zwei Stunden telefoniert und wollen sich im Juli treffen. Der andere ist nicht mehr verheiratet, aber er war es, aber seine Frau hat rausbekommen, dass er schwul ist. John sagt, er ist froh, dass er nie eine Frau geheiratet hat, obwohl seine Eltern das gewollt h├Ątten. Es h├Ątte alle ungl├╝cklich gemacht.

Mein Bruder und ich haben im Urlaub auch viel ├╝ber die Vergangenheit geredet und ich habe gemerkt, dass ich anders ├╝ber unseren Vater reden kann. Er hat es nie akzeptiert, dass ich schwul bin, obwohl ich nicht wei├č, wie er selber orientiert war. Mein Bruder will das nicht gern h├Âren, aber ich denke, wenn ein Mann so oft Sex mit einem anderen Mann hat, dann kann er nicht hetero sein. Ich habe Mitleid gesp├╝rt, weil ich mich frage, ob er ungl├╝cklich war, als er geheiratet hat und als die Kinder gekommen sind.

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