Segeln

Mich haben jetzt schon mehrere gefragt, ob es mich noch gibt, weil ich nicht mehr so oft schreibe 🙂 John, mein Bruder, meine SchwĂ€gerin und ich waren spontan eine Woche Segeln. Ich habe frĂŒher immer gesagt, dass ich mich das nicht traue, aber jetzt habe ich mir das doch zugetraut und es war sehr schön. Wir sind von Flensburg aus gestartet und waren bis nach Sonderburg, immer in kleinen Tagesetappen. Wir haben dann immer einen Hafen angesteuert und da geschlafen. Einmal haben wir FahrrĂ€der geliehen und haben uns die Gegend angeschaut und ein Picknick gemacht. Mein Bruder und ich haben ein gutes VerhĂ€ltnis, aber wir haben schon lange nicht mehr so viel Zeit miteinander verbracht und geredet. Ich glaube, dass er mich jetzt anders sieht, wo ich mit John auch vor dem Gesetz zusammen bin. Mein Bruder war immer sehr kritisch bei meinen Beziehungen, weil er gewusst hat, dass ich dazu neige, mich benutzen zu lassen, also emotional, und dass ich gefĂ€hrdet bin, wenn es MĂ€nner waren, die nicht so gute Absichten hatten. Er kannte John ja schon lĂ€nger, aber er wusste nicht, dass es sein John ist, und als wird das rausgefunden hatten, war er beruhigter. FĂŒr uns alle war es wichtig, dass John und ich jetzt eine eingetragene Partnerschaft haben, weil es etwas anderes ist als vorher. Ich kann das nicht gut erklĂ€ren, weil es nichts an meinen GefĂŒhlen Ă€ndern sollte, aber das tut es doch. Ich fĂŒhle mich sicherer mit John. Ich hatte vorher sehr starke VerlustĂ€ngste und jetzt ist es besser geworden. Man sollte das eigene SelbstwertgefĂŒhl nicht auf solche Ă€ußerlichen Sachen bauen, aber ich fĂŒhle mich jetzt sicherer und nicht mehr so beliebig. Durch die Lebenspartnerschaft bin ich noch fester ein Teil von John. Es ist schwer zu erklĂ€ren. Ich fĂŒhle mich reifer.

In meinem Leben habe ich mich immer an den anderen MĂ€nnern orientiert. Ich war immer schwach und habe das gemacht, was sie gesagt haben oder was sie gemacht haben. Es fing mit meinem Vater an und dann auf der Straße und dann hinterher mit John. Jetzt glaube ich, dass ich mehr bei mir selber bin und auch mal etwas riskiere. Ich bin jetzt eher bereit, etwas zu sagen, das John nicht gut findet. Wir haben auch ĂŒber BDSM und den Haushalt geredet. Ich hĂ€tte gern gehabt, das John mir mehr hilft, aber er sagt, er will das nicht machen, aber er akzeptiert, wenn ich nicht mehr alles machen will. Jetzt kommt zweimal die Woche ein Reinemachfrau und hilft mit. Es ist komisch, die Kontrolle abzugeben, aber es macht mich nicht mehr verzweifelt, weil es ja etwas ist, das ich wollte. Ich trage immer noch nicht wieder den Birdlock, aber T&D geht auch ohne. Und ich genieße meine SexualitĂ€t ohne Verschluss. Sie ist ganz anders als mit und ich kann auch öfter die FĂŒhrung ĂŒbernehmen oder John signalisieren, dass ich mit ihm schlafen möchte. Er akzeptiert das auch alles. Ich bin so froh, dass er das tut, und dass es kein Problem ist, dass ich mich verĂ€ndere und die Beziehung auch.

Wir haben viel geredet ĂŒber John’s erste große Liebe, den Jungen von dem Internat, wo er war. Er denkt oft an ihn, weil es so ein schlimmes Ende genommen hat, und ich habe gesagt, er soll ihn anrufen, weil er ja weiß, wo er lebt. Sie haben direkt zwei Stunden telefoniert und wollen sich im Juli treffen. Der andere ist nicht mehr verheiratet, aber er war es, aber seine Frau hat rausbekommen, dass er schwul ist. John sagt, er ist froh, dass er nie eine Frau geheiratet hat, obwohl seine Eltern das gewollt hĂ€tten. Es hĂ€tte alle unglĂŒcklich gemacht.

Mein Bruder und ich haben im Urlaub auch viel ĂŒber die Vergangenheit geredet und ich habe gemerkt, dass ich anders ĂŒber unseren Vater reden kann. Er hat es nie akzeptiert, dass ich schwul bin, obwohl ich nicht weiß, wie er selber orientiert war. Mein Bruder will das nicht gern hören, aber ich denke, wenn ein Mann so oft Sex mit einem anderen Mann hat, dann kann er nicht hetero sein. Ich habe Mitleid gespĂŒrt, weil ich mich frage, ob er unglĂŒcklich war, als er geheiratet hat und als die Kinder gekommen sind.