Eine Reise

W und ich machen sehr viel zusammen in letzter Zeit. Wir machen zusammen Puja oder wir machen spirituelle Reisen (man reist nicht wirklich weg, man liegt auf dem Boden und reist in Gedanken). Wir opfern auch gemeinsam. Jesus und Lord Shiva mögen beide Reis, aber sonst sind sie eher ganz anders. W sagt, Jesus ist wie Buddha ein Erleuchteter, und er hat sich von der rohen männlichen Energie abgewandt. Er hat ja gesagt, man soll noch die andere Wange hinhalten, und ich glaube, das würde Lord Shiva eher nicht tun.

Gestern Abend hat W mich besucht. Wir haben erst alle zusammen gegessen und dann ist John ins Kino gegangen und W und ich haben Puja gemacht. Ich hatte nachmittags Kugeln aus Reismehl, Mandeln, Rosenwasser und Zucker gemacht, die wir geopfert haben. Wir haben geräuchert mit Ws Mischungen und W hat auf seiner kleinen Trommel gespielt. Ich bin dabei gereist. Ich möchte davon schreiben.

Ich habe einen Ort gefunden, wo ich mich wohl fühle. Es ist ein Ufer an einem schnell fließenden Fluss. Da sind große Steine, wo man sitzen kann, aber auch Bäume und eine Höhle, die etwas versteckt ist. Ich gehe in Gedanken an diesen Ort und wenn ich reisen will, gehe ich vielleicht in die Höhle rein oder ich schwimme in dem Strom. Gestern bin ich in die Höhle gegangen. Es ist immer anders. Ich ging einen langen Gang entlang, die Wände waren warm und es roch nach Erde. Irgendwann kam ich auf ein Feuer zu. Daran sass Lord Shiva. Er hat mich aufgefordert, mich zu ihm zu setzen und in das Feuer zu sehen. Ich weiß, dass auch ein Tier da war. In letzter Zeit weiß ich immer, dass ein Tier da ist, aber ich kann es nicht richtig ansehen. Manchmal sieht es aus wie eine Großkatze, manchmal wie ein Hund oder ein Wolf und manchmal wie alles gemischt. Als ich in das Feuer sah, habe ich darin Formen gesehen, die sich veränderten und dann zu einer Art Puppenaufführung wurden. Sie haben etwas nachgespielt, das ich erlebt habe. Es hat mich sehr aufgewühlt und ich habe gezittert. Ich habe Lord Shiva gefragt, warum er mir das zeigt, und er hat gesagt, damit ich aufhöre, mich zu fürchten. Ich habe ihn gefragt, ob er mir sagen kann, wie ich das schaffen soll, und er hat nur gesagt, ich soll weiter zusehen.

Es war eine Szene mit meinem Vater. Er hatte so unberechenbare Wutanfälle. Manchmal sass ich nur da und habe nichts gemacht und es hat ihn schon provoziert, so dass er mich geschlagen hat. Er hat mir oft auf den Kopf geschlagen und die Flammen spielten das nach. Immer, wenn ich daran denke, fühle ich mich behindert und dumm. Vielleicht hat er damit etwas kaputt gemacht in meinem Kopf. Ich weiß, dass ich nicht so funktioniere wie andere. Es ist ironisch, aber wenn ich Englisch rede, dann fällt es nicht so auf. Wenn ich deutsch rede, dann komme ich mir unbeholfen vor und die Worte fallen durch mich durch wie in einem Sieb. Ich habe versucht, für Lord Shiva Gedichte zu schreiben und auf Deutsch fällt es mir schwer. Auf Englisch geht es leichter, dabei ist das nicht meine Muttersprache. Es fühlt sich natürlicher an. Die Flammen haben gezeigt, dass ich den Arm hebe und den Schlag abwehre. Ich habe das ja versucht, habe ich gesagt, aber es ging nicht. Es spielt keine Rolle, sagte Lord Shiva, ob das früher ging, weil es geht heute. Er hat getan, was er gemacht hat, aber Du kannst Dich dagegen entscheiden, dass Du weiter derjenige bist, auf dem er rumprügelt.

W und ich haben schon öfter solche Sachen angereist, die früher passiert sind. Ich habe dabei oft einen Superheldenanzug angehabt. Gestern nicht. Es war auch anders, weil es wie eine Vorstellung war und nichts, woran ich teilnahm. Ich glaube, es soll mir sagen, dass Opfersein eine Haltung ist, die von innen kommt. Man ist zwar in dem Moment das Opfer, wo man Schläge kassiert, aber man kann sich später dagegen entscheiden, sich immer weiter als Opfer zu sehen. Lord Shiva hat mich schon oft aufgefordert, nicht mehr das Opfer zu sein, sondern Stärke zu entwickeln. Oder nein, meine Stärke, die ich schon habe, zu entdecken und anzunehmen.

Später sass ich an dem Fluss und schaute in das Wasser. Es war ganz friedlich. Als ich wieder zurück war, haben W und ich darüber geredet und Reiskugeln gegessen und geopfert als Dank. Für mich ist es immer noch schwer, zu akzeptieren, dass es diese Reisen gibt und dass Lord Shiva da wirklich mit mir spricht. Ich hoffe, ich bin nicht verrückt🙂 W sagt, es ist ganz normal, auf diese Art mit Göttern zu reden, und Jesus und Shango (und andere) reden auch mit ihm, manchmal sogar auf der Arbeit.

W ist jetzt ein paar Wochen mit M zusammen und es freut mich für sie. M ist sehr nett. Er ist Koch!

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