Kein Anfänger mehr

S hat mich gefragt, warum ich nur noch selten auf Deutsch schreibe. Ich habe keine langen Texte mehr auf Deutsch geschrieben, bevor ich das Blog angefangen habe. Deutsch zu sprechen ist leichter für mich als zu versuchen, einen deutschen Text zu schreiben. Ich rede im Alltag nur auf der Arbeit oder mit deutschen Freunden Deutsch. Mit John und Leo rede ich eigentlich immer nur Englisch, außer ich weiß ein Wort nicht, dann sage ich es auf Deutsch, oder wenn es mir schwer fällt, genau das zu sagen, was ich meine. Aber das ist manchmal auch auf Deutsch schwierig. Viele deutsche Worte sind Trigger für mich, darum vermeide ich sie. Es ist schlimmer bei sexuellen Worten. Ich finde, sie klingen auf Englisch nicht so gefährlich.

Über viele Sachen kann ich nicht auf Deutsch schreiben, weil sie sich dann peinlich und schlecht anfühlen. Ich kann nicht gut auf Deutsch über BDSM schreiben, weil ich auch nicht auf Deutsch darüber nachdenke oder es mache. Eine andere Sprache als der Täter zu benutzen, hilft mir, nicht an ihn erinnert zu werden.

Aber eigentlich wollte ich heute über ein Gefühl schreiben, das ich jetzt manchmal habe, wenn ich Puja mache oder mit Lord Shiva arbeite. Es ist schwierig auf Deutsch🙂

Wenn man etwas neu gelernt hat, ist man unsicher. Man macht es und braucht immer wieder einen Blick auf die Anleitung, damit man es richtig macht. Als John einen neuen Kaffeeautomat gekauft hat, habe ich nicht verstanden, wie er funktioniert. Ich musste mehrmals in die Betriebsanleitung schauen und es dann wiederholen. Bei Puja war es auch so. Ich habe versucht, eine Anleitung für mich zu finden, aber weil es keine gab, musste ich sie selber machen. Ich war steif, weil ich Angst hatte, dass Lord Shiva mich für einen Idioten halten könnte. Aber je mehr ich mit ihm gearbeitet habe, desto mehr hat er mir bewiesen, dass er mich nicht für einen Idioten hält. Er hat immer viel von mir gefordert, aber er hat mir auch viel gegeben. Ich sage manchmal im Scherz, Lord Shiva ist auch ein Dom. Er geht immer über das hinaus, was ich bequem und einfach finden würde.

Jetzt fühle ich immer öfter, dass Puja keine Arbeit mehr macht. Es ist alltäglich geworden und Lord Shiva hat einen Platz eingenommen. Es ist nicht mehr so ungewöhnlich und neu, dass er da ist. Es ist eher als wenn man einen guten Freund zu Besuch bekommt, den man gut kennt und wo man entspannt sein kann.

In meinem Yogakurs ist ein Mann, der sich auch für Lord Shiva interessiert. Er ist aber noch ganz am Anfang. Lord Shiva hat mich mehrmals angestoßen, mit dem Mann über ihn zu reden, aber ich habe gedacht, ich will mich nicht aufspielen und es darum nicht gemacht. Und dann hat unser Yogalehrer gesagt, Du kannst doch mal mit Blaubeermann über Shiva reden, er macht auch ganz viel mit ihm. Da habe ich mich geschmeichelt, aber auch ängstlich gefühlt. Ich habe versucht, mich klein und dumm zu reden, bis Lord Shiva eingegriffen hat. “Mach es richtig!”. Ich habe dem Mann dann gesagt, wie ich Puja mache und wie ich Lord Shiva sehe. Es hat sich komisch angefühlt, aber es war auch gut, weil ich gemerkt habe, dass Lord Shiva zufrieden war und dass es dem anderen geholfen hat.

Mir ist gezeigt worden, dass ich jetzt nicht mehr der Anfänger bin, sondern dass ich schon anderen etwas erklären kann. Ich bin nicht gerne in der Position, weil ich dann besser von mir denken müsste, als ich es eigentlich mache.

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